Bautagebuch richtig führen: Praxistipps für Bauleiter und Bauherren

Bautagebuch

Inhalt

Mit einer gut geführten Dokumentation schützen Sie Ihre Baustelle und Ihr Unternehmen. Sie enthält Nachweise über Baufortschritt, Maschinen- und Personaleinsatz sowie Vorkommnisse und Sicherheitsrisiken. Vor allem bei Abrissprojekten können Schäden an nebenstehenden Gebäuden oder eine unsachgemäße Maschinenhandhabung schnell zu Haftungsrisiken führen. Ein klar strukturiertes Bautagebuch lässt Sie den Überblick behalten, sichert Beweise und schafft Transparenz gegenüber Bauherren, Gutachtern und Versicherungen.

 

Warum ein Bautagebuch für Ihre Baustelle unverzichtbar ist

 

Ganz gleich, ob beim Hausbau oder Hausabriss: Ein lückenlos geführtes Bautagebuch hilft Ihnen, alle Arbeiten auf der Baustelle, Maschinen, Mitarbeiter und Vorfälle, die sich ereignet haben, zu erfassen. Es dient der Nachvollziehbarkeit – denn die Qualitätssicherung ist ein wichtiger Nachweis zur rechtlichen Absicherung.

 

Bautagebuch vs. Bautagesbericht – Wann ist welches Dokument sinnvoll?

 

Beide Dokumentationsformen dienen unterschiedlichen Zwecken. Ein klarer Überblick hilft Ihnen, die Funktionen besser zu verstehen und die passenden Prozesse für Ihr Team festzulegen:

  • Das Bautagebuch dokumentiert detailliert und ist rechtlich relevant.
  • Ein Bautagesbericht ist eine tagesaktuelle Zusammenfassung der Arbeiten auf der Baustelle, also quasi ein „Tagesauszug“ aus dem Bautagebuch. Erstellt wird es meist durch Vorarbeiter und Poliere. Rechtlich betrachtet hat es weniger Beweiskraft als das Bautagebuch, ist jedoch zur täglichen Kontrolle unverzichtbar.

 

Gibt es eine Bautagebuch Pflicht?

 

Nach VOB Bautagebuch (§ 4 Abs. 10 VOB/B) ist der Auftragnehmer verpflichtet, eine ordnungsgemäße Baustellendokumentation vorzunehmen. Die VOB/B schreibt zwar nicht ausdrücklich ein Bautagebuch vor, aber in der Praxis erfüllt es die Pflicht zur lückenlosen Dokumentation und hat sich deshalb etabliert. Ebenso empfiehlt die BG Bau ein Bautagebuch, um sicherheitsrelevante Ereignisse hinsichtlich der Arbeitssicherheit auf der Baustelle zu protokollieren. So ist die Nachweisführung auch bei einem Arbeitsunfall gegeben. Obwohl auch hier kein klassisches Bautagebuch gefordert ist, erfüllt ein Bautagebuch die Anforderungen. Damit wird das Bautagebuch nicht nur zur organisatorischen, sondern auch zu einer rechtlichen Pflicht auf vielen Baustellen.

 

Wer führt das Bautagebuch auf der Baustelle?

 

Im praktischen Baubetrieb übernehmen Bauleiter, Poliere, Handwerksbetriebe oder technisches Fachpersonal die Verantwortung, das Bautagebuch zu führen. Dabei notieren Sie alle relevanten Ereignisse und Arbeiten auf der Baustelle. Hierbei sind Sie verantwortlich für die korrekte, tägliche Eintragung aller relevanten Daten wie:

  • Dokumentation des Baufortschritts
  • Vorkommnisse protokollieren
  • Maschinen- und Materialeinsatz erfassen
  • Sicherheitsmängel auf der Baustelle, Unfälle und Zusatzleistungen aufnehmen

Eine konsequente Erfassung hilft dabei, spätere Rückfragen von Bauherren, Gutachtern oder Versicherungen beantworten zu können.

 

Bautagebuch als Werkzeug für die Projekttransparenz

 

Mit dem Bautagebuch haben Sie nicht nur ein rechtssicheres Dokument, sondern auch ein zentrales Werkzeug, um Projektfortschritte und Baustellenabläufe übersichtlich und nachvollziehbar zu gestalten. So können Sie Arbeiten von Handwerksbetrieben, den Maschineneinsatz, Gefahrenpotenzial und besondere Vorkommnisse jederzeit überprüfen. Auch für Bauherren oder Gutachter liefert es klare Einblicke in die Abläufe und Vorgehensweisen. Darüber hinaus können durch strukturierte Einträge, Fotodokumentationen und digitale Tools fundierte Entscheidungen getroffen werden, um späteren Missverständnissen vorzubeugen. Auf diese Weise wird das Bautagebuch zu einem aktiven Steuerungselement auf jeder Baustelle.

 

Wann sollte ein Bautagebuch geführt werden?

 

In der Regel wird das Bautagebuch täglich geführt. Dies ist besonders wichtig, wenn kritische Arbeiten, Rückbau oder Abrissprojekte durchgeführt werden. Doch auch, wenn sich außergewöhnliche Vorkommnisse wie Schäden, Sicherheitsrisiken oder Zusatzleistungen ergeben, sollten Sie diese umgehend eintragen.

 

Bautagebuch und VOB: Rechtlich korrekt dokumentieren und Risiken absichern

 

Die rechtliche Bedeutung einer ordentlichen Bautagebuchdokumentation ist enorm wichtig. Sie sichert nicht nur die Einhaltung der VOB und dokumentiert verschiedene Ereignisse, sondern ist auch entscheidend für die Verjährung versteckter Baumängel.

 

Beweissicherung, VOB und Verjährung versteckter Mängel

 

Damit Sie eine rechtssichere Dokumentation erhalten, müssen Sie das Bautagebuch ordnungsgemäß führen, inklusive der Unterschrift von verantwortlichen Personen. Dies stellt sicher, dass Gutachter, Bauherren oder die BG Bau alle Unterlagen im Schadensfall prüfen können.

 

Rechtliche Kernpunkte

 

  • Die Beweissicherung Bau erfordert lückenlose Einträge
  • Verjährung versteckter Mängel: bei Bauwerken in der Regel 5 Jahre nach Abnahme (§ 634a Abs. 1 Nr. 2 BGB), 2 Jahre bei kleineren Leistungen und 30 Jahre bei Arglist
  • Meldepflichtige Vorfälle für die BG Bau dokumentieren
  • Nachweis der Beweislast bei Baumängeln

 

Baumängel früh erkennen – Beweissicherung im Bautagebuch

 

Sie entdecken einen Wasserrohrschaden, noch bevor der Estrich verlegt wird. Für Sie bedeutet dies, dass Sie sofort Fotos anfertigen und einen genauen Eintrag (Datum und Ort) im Bautagebuch vornehmen. Dies dient der Beweissicherung auch nach Überbauung. Erst jetzt teilen Sie dem betreffenden Unternehmer schriftlich mit Fristsetzung nach BGB oder VOB den entdeckten Mangel mit. Anschließend entscheidet der Unternehmer, ob er den Mangel noch vor der Estrichverlegung beseitigt. Unterlässt er dies und im Nachhinein wird durch diesen nun versteckten Baumangel ein Schaden verursacht, sichern Sie durch Ihre Dokumentation im Bautagebuch die Gewährleistungsansprüche. Denn häufig liegt die Beweislast beim Bauherrn.

 

Ausnahme Gefahr in Verzug:

 

Stellt der Baumangel eine akute Gefahr dar, z.B. Wasserrohrbruch mit Überschwemmung oder ein statisches Risiko, darf der Bauleiter im Rahmen der Schadenminderungspflicht sofort handeln.

 

Was gehört alles in ein Bautagebuch?

 

Alle wichtigen Informationen wie Bauabschnitte, Maschinen, Fahrzeuge, Mitarbeiter, Materiallieferungen und besondere Ereignisse gehören in ein Bautagebuch. Das nachfolgende Beispiel verdeutlicht die Dokumentation im Alltag:

 

Datum Bauabschnitt Maschinen Mitarbeiter Vorkommnisse
01.10. Abriss EG Hydraulikmeißel, Radlader 5 Riss am Nachbargebäude, Staubentwicklung
02.10. Rückbau OG Abbruchhammer, Rüttelplatte 4 Herunterfallendes Material, Sicherheitscheck
03.10. Entsorgung Kran, Lkw 3 Last schwenkt unkontrolliert, Arbeiten kurzfristig gestoppt

 

Auf diese Weise erfassen Sie systematisch alle wichtigen Informationen. Gerade bei Abrissprojekten sind Vibrationen, Staubentwicklung und herabfallendes Material akribisch zu dokumentieren. Zusätzliche Fotos dienen der rechtlichen Absicherung.

 

Zusätzliche Inhalte (optional):

 

Doch auch weitere Details, die über die grundlegenden Informationen hinausgehen, lohnen sich, im Bautagebuch festzuhalten. Das erhöht zum einen die Transparenz und zum anderen steigt die Nachvollziehbarkeit für alle Beteiligten.

  • Nachträge und Zusatzleistungen
  • Prüfpunkte, Gutachten und Kontrollen
  • Risiken für die Sicherheit und PSA (Persönliche Schutzausrüstung)

 

Bautagebuch im Abriss: So dokumentieren Sie die Risiken rechtssicher

 

Insbesondere bei Abrissprojekten sollten Schäden auf der Baustelle und an Nachbargebäuden sorgfältig protokolliert werden. Die folgende Tabelle zeigt typische Maschinen und die Risiken, die Sie erfassen sollten:

 

Maschine Risiko Dokumentation
Hydraulikmeißel Rissbildung an Wänden Foto + Eintragung + Messergebnisse
Rüttelplatte Vibrationen Verdichtungsprotokoll
Abrissbagger Herunterfallendes Material Sicherheitscheck

 

Zusätzlich sollten Sie die PSA der Mitarbeiter und die Baustellensicherung aufnehmen, um Risiken zu minimieren und die gesetzlichen Sicherheitsanforderungen zu erfüllen.

 

Schadstoffe im Bautagebuch protokollieren

 

Bei einem Abriss oder Rückbau können Schadstoffe wie Asbest, Farben, Lacke, künstliche Mineralfasern oder chemische Rückstände freigesetzt werden. Auch diese gesundheitsgefährdenden Stoffe sollten Sie unbedingt im Bautagebuch aufnehmen, inklusive Menge, Art, Arbeitsbereich und den Schutzmaßnahmen wie z.B. Staubbindemaßnahmen. So sichern Sie sich bei einer Prüfung durch den Bauherren, die BG Bau, den Gutachter oder Versicherungen ab.

Wichtig: Beim Umgang mit Schadstoffen gelten die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS), insbesondere TRGS 519 (Asbest) und TRGS 521 (Mineralfasern). Ihre Einträge im Bautagebuch sollten sich daran orientieren.

 

Bautagebuch digital: So vereinfachen Sie die Dokumentation

 

Inzwischen muss ein Bautagebuch nicht mehr in Papierform vorliegen, um rechtssicher zu sein. Heutzutage gibt es modernere Lösungen, um die Baustellenüberwachung zu komplettieren. Dazu können Sie verschiedene Softwarelösungen wie eine Bautagebuch-App verwenden. Die Vorteile der digitalen Tools sind:

 

  • Einfache Nachverfolgung von Baufortschritt und Maschinen
  • Fotos lassen sich direkt einfügen und archivieren
  • Schnittstellen zu Projektmanagementsystemen
  • Automatische Backups, Zeiterfassung

 

Mit digitalen Lösungen reduzieren Sie den Verwaltungsaufwand und gewährleisten zudem, dass alle Daten jederzeit abrufbar sind.

 

Schritt-für-Schritt-Anleitung für das Bautagebuch

 

Strukturieren Sie Ihr Bautagebuch und nutzen Sie stets die gleiche Vorgehensweise für eine schnelle und einfache Erfassung aller wichtigen Daten:

 

  • Datum und Wetter
  • Bauabschnitt und Fortschritt
  • Maschinen und Material
  • Mitarbeiter
  • Vorkommnisse, Unfälle und Schäden
  • Zusatzleistungen und Prüfungen
  • Fotos und Belege

 

Mit dieser Checkliste wissen Sie genau, welche Informationen Sie täglich erfassen sollen, um Fehler zu minimieren und die Nachvollziehbarkeit zu gewährleisten.

 

Mit Struktur und Digitaltools zur Rechtssicherheit

 

Nur eine lückenlose Dokumentation schützt Sie und Ihr Team vor unberechtigten Schadensersatzansprüchen, sichert Nachweise, schafft Transparenz und minimiert etwaige Haftungsrisiken.

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